Herrmann – Der Kuchen (Tag 1)

Könnt ihr euch noch an Herrmann erinnern? Der Wanderkuchen aus den 80ern? Ich habe in den letzten 10 Jahren nicht einmal an Herrmann gedacht und ihn schändlich vernachlässigt. Das hat er wirklich nicht verdient. Aber jetzt, einmal ins Gedächtnis gerufen, ist alles wieder da. Ich weiß noch genau wann ich Herrmann das erste Mal sah: Eine Freundin steckte ihn mir – eingeschlossen in ein altes Marmeladenglas – in der Schule zu. Ich kann nicht behaupten, dass es Liebe auf den ersten Blick war, denn – ohne Herrmann verletzen zu wollen – besonders ansehnlich ist er im Anfangsstadium nicht. Dennoch ließ ich mich auf diese völlig neue und unerwartete Beziehung ein. Ich hegte und pflegte ihn also nach Anweisung (die ich zusammen mit dem alten Marmeladenglas bekam) und Herrmann schäumte so einige Tage vor sich hin, wurde zunehmend Pflege-intensiver und, gerade als er anfing mir mächtig auf die Nerven zu gehen, erreichte er sein volles Ausmaß. Woraufhin ich ihn vierteilen, füttern, backen und dann nach allen Regeln der Kunst wieder aufpäppeln durfte. Ich kann mich noch ganz genau an den Geschmack des fertigen, mit Schokolade, Nüssen und Zimt aufgerüschten Herrmann erinnern. Entgegen der anfänglichen Skepsis, schmeckte Herrmann phantastisch! So kam es dazu, dass Herrmann und ich über mehrere Monate eine durchaus befriedigende Affäre unterhielten. Zum Leidwesen unserer Eltern begannen meine Schwestern Katja und Nina etwa zeitgleich ebenfalls Beziehungen zu ihm aufzubauen, so dass alle zwei Tage ein frisch gebackener Herrmann in unserer Küche auftauchte, was – bei allem Verständnis – sowohl zuviel Herr als auch zuviel Mann war. Die leckeren Jungs mussten also wieder verschwinden.

Bis heute. Bei mir steht jetzt wieder einer in der Küche. Nicht von einer Freundin überreicht, sondern ganz frisch angesetzt. Das ist doch ein prima Thema für die Sommerpause! Ich berichte täglich von Herrmanns und meinen Fortschritten und pünktlich zum Herbstanfang könnt ihr euren eigenen Wanderkuchen starten. Das ist genau die richtige Jahreszeit für Herrmann.
So, alle die nach 1975 geboren sind, haben das Lesen entweder schon aufgegeben oder immer noch keine Ahnung wovon ich da eigentlich spreche. Herrmann ist also ein Kuchen, aber nicht irgendein Kuchen. Sondern ein Kuchen aus Hefe-Sauerteig, der erst einige Tage reifen muss, um dann in einer Endlosschleife alle paar Tage gebacken werden will. Ich habe in der Vergangenheit immer einen Kastenkuchen daraus gemacht, aber mir gehen gerade unzählige andere Verwendungsmöglichkeiten durch den Kopf – Muffins, Pancakes, Obstkuchen, Brötchen, Zimtschnecken….um nur einige zu nennen. Habt ihr einmal die Schnauze voll von Herrmann und braucht eine Pause – dann ab in die Tiefkühltruhe mit ihm. Das nimmt er nicht übel.

OK, fangen wir an. Der Beginn ist unspektakulär.

Herrmann – Der Kuchen (Tag 1)

Wir brauchen:

3,5g Trockenhefe (halbes Päckchen)
1 Tasse lauwarmes Wasser
1 EL Zucker
1 Tasse Mehl

Alles in einer mittelgroßen Rührschüssel glatt rühren

und locker mit Klarsichtfolie abdecken.

 Herrmann will atmen. Die Schüssel sollte wirklich nicht zu klein sein, da Herrmann sich ganz schön aufblähen kann. Jetzt lasst ihr ihn erstmal in Ruhe. (Nicht in den Kühlschrank stellen!)

Schokoladenbrötchen mit Zimt und noch mehr Schokolade

Diese Schokoladenbrötchen sind eine Mischung aus schwedischen Kanelbullar und mitteleuropäischen Schokobrötchen, allerdings ohne das viele Drehen, Falten und Knoten der Kanelbullar und die oft trockene Konsistenz der guten alten Schokobrötchen. Das erreicht man u. a. durch einen recht hohen Butteranteil im Hefeteig – tja, anders geht´s halt nicht, aber bei der Zubereitung bleibt jede Menge Zeit zum Joggen….. Also: carpe diem! – in jeder Hinsicht.

Die Zutaten:

Wir brauchen Vollmilch, Mehl, frische Hefe, Salz, Zimt, Zucker, Butter und Kakao – alles kein Hexenwerk und wahrscheinlich sowieso im Schrank. Außerdem noch hellen Zuckerrübensirup oder Invertzuckersirup. Gibt´s von Grafschafter, aber nicht überall. Solltet ihr keinen hellen Sirup bekommen, tut´s der dunkle auch. Den gibt´s eigentlich überall.
Die Milch sollte lauwarm sein und die Butter etwa Zimmertemperatur haben. Wichtig ist, dass die Milch wirklich nur lauwarm ist, sonst zerhagelt es euch die Hefe.
Ach, ein Bio-Ei brauchen wir noch – zum bepinseln. Und natürlich: jede Menge Schokolade. Ich habe hier eine Mischung aus Zartbitter und Vollmilch benutzt. Nehmt einfach, was euch am besten schmeckt.

Das Rezept

Schokoladenbrötchen mit Zimt und noch mehr Schokolade (30 Stck.)

Die Zutaten:

500 ml Vollmilch, lauwarm
100 g Zuckerrübensirup
1000 g Mehl
75 g frische Hefe
Prise Salz
1-2 Teel. Zimt
100 g Zucker
200 g Butter, zimmerwarm
100 g Kakao
300 g Schokolade (je nach Geschmack, s. o.)
Glasur:
1 Bio-Ei

Die Zubereitung:

Die lauwarme Milch mit dem Sirup in einer Rührschüssel vermischen. Hefe reinbröckeln und kurz verrühren. Dann die Hälfte des Mehls dazugeben und mit einem Holzlöffel (oder den Knethaken des Handrührers oder in der Kitchen-Aid mit dem Paddle-Attachment) gut verrühren.
Mit einem Küchentuch abdecken und ca. eine Stunde gehen lassen.
Dann restliches Mehl mit Kakao, Zimt und Salz vermischen und dazugeben. Zucker und Butter auch dazu und zu einem glatten Teig kneten. Hierzu die Kenthaken des Handrührers (den Knethaken der Kitchen-Aid oder eure Hände) benutzen.
Den Teig auf eine Arbeitsplatte geben und nochmal ordentlich durchkneten. Dann die in grobe Stücke gehackte Schokolade von Hand einkneten.


Teig halbieren und jede Hälfte zu einer Langen Rolle formen.
Dann in Drittel einkerben
und jedes Drittel nochmal in fünf Teile einteilen.
Aus jedem Teil eine Kugel formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.
Mit dem restlichen Teig ebenso verfahren. Bleche mit Küchentuch abdecken und nochmal ca. eine Stunde gehen lassen. (Jetzt Joggen gehen!)
Ofen auf 190°C vorheizen (Ober- und Unterhitze).
Brötchen mit verrührtem Ei bepinseln und ab in den Ofen (mittlere Einschubleiste). Ca. 12-15 Minuten backen.
Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
Das Rezept gibt eine Menge Brötchen!!
Was nicht gleich gegessen werden soll, lässt sich prima einfrieren.
Yummy!
Enjoy und bleibt süß!

Streuselkuchen mit Aprikosen, Kirschen und Marzipan

Bei meinen fast täglichen Einkäufen springt mir nun schon seit einigen Wochen die geballte Pracht sämtlicher Sommerfrüchte entgegen. Pfirsiche, Nektarinen, Aprikosen, Kirschen….um nur einige zu nennen. Yummy! Da ich aber seit vielen Jahren mit einer Kern- und Steinobst-Allergie geschlagen bin, widerstehe ich der Verführung in der Regel eisern. So nicht letzte Woche. Ich musste einfach zugreifen, denn es gibt einen Ausweg aus dem Dilemma: Sobald die garstigen Früchtchen durch Messer und Hitze gezähmt sind, lassen sich auch die Allergene nicht mehr blicken.

Hier also mein Stein- und Kernobst-Allergie-freies Rezept:

Zu den Zutaten:
Wir brauchen Mehl, Butter, Zucker, Salz, Bio-Eier. (Die Butter sollte gekühlt, aber nicht steinhart sein – am besten 20 Min. vorher aus dem Kühlschrank nehmen.) Für die Streusel noch gemahlene Mandeln oder Haselnüsse. Außerdem Rohmarzipan, am besten etwas gekühlt – dann lässt es sich leichter reiben. Geht aber auch so. 
Beerenmarmelade – wenn möglich selbstgemacht. Ich habe hier Erdbeermarmelade genommen – alles andere passt aber auch. Wie´s euch eben schmeckt.
Und dann die schönsten, saftigsten Aprikosen und Kirschen, die euer Markt oder Garten so hergibt.
Ich habe hier eine Auflaufform mit den Maßen 20 x 30 cm genommen. Eine 26cm-Springform tut es aber auch.

Das Rezept

Streuselkuchen mit Aprikosen, Kirschen und Marzipan

Die Zutaten:

Boden:
300g Mehl
200g Butter, nicht ganz Zimmertemperatur
100g Zucker
1 Bio-Eigelb, Größe L
Prise Salz
Streusel:
220g Mehl
100g Zucker
150g Butter
100g gem. Mandeln o. Haselnüsse
Prise Salz
Füllung:
ca. 100g Beerenmarmeladeca.
ca. 150g Marzipan
etwa 500-600g Aprikosen
2 Handvoll Kirschen

Die Zubereitung:

Form einfetten.Wenn ihr eine Springform benutzt, diese auch mit Backpapier auslegen. Für den Boden alle Zutaten verkneten. Das sollte nicht zu lange dauern, sonst wird der Teig zäh. 

Für 30-60 Minuten ab in den Kühlschrank.
Dieser Mürbteig ist übrigens ein echtes Naturtalent. Er eignet sich für jede Art von Boden, z.B. für Kasekuchen, Apfelkuchen, Pies aller Art etc. Außerdem lässt er sich prima für Butterkekse verwenden. Einfach ausrollen, ausstechen, mit Eigelb bepinseln und bei 180°C in den Ofen bis sie schön goldgelb aussehen.
In der Zwischenzeit könnt ihr die Streusel machen. Wieder alle Zutaten vermischen und zu Streuseln verkneten. Die könnt ihr ruhig auch in den Kühlschrank stellen – muss aber nicht sein.
Wenn ihr eine Springform vorbereitet habt, den Teig nun auf leicht bemehlter Unterlage ausrollen und die Springform – auch den Rand – damit auslegen. Benutzt ihr eine Auflaufform – wie hier –  Teig für den Boden auf einem Stück Backpapier etwas größer als die Form ausrollen
 und mitsamt dem Papier in die Form legen.
Ein wenig festdrücken – muss alles nicht perfekt sein.
Jetzt wieder ab in den Kühlschrank – nochmal so 30 Minuten. Jetzt könnt ihr Aprikosen und Kirschen waschen und entsteinen. Aprikosen in Spalten schneiden.
Ofen auf 180°C (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Boden mit Marmelade bestreichen
und das (evtl. etwas gekühlte) Marzipan mit der grobe Reibe darauf reiben. (Wer kein Marzipan mag, lässt diesen Schritt einfach aus.)
Die vorbereiteten Früchte darauf verteilen.
Die Ränder etwas einklappen.
Streusel darüber

und auf mittlerer Einschubleiste für ca. 40 – 50 Minuten in den Ofen.

Auf einem Kuchengitter abkühlen lassen. (In der Zeit könnt ihr locker ´ne Runde joggen gehen…)

.. und dann: Yummy!!

Enjoy und bleibt süß!